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Kenjutsu – Der Schwertweg

Ganzheitliche Entwicklung durch Kenjutsu (剣術)

Samurai (侍) – Führungskräfte mit dem Schwert

Die Samurai Japans waren weit mehr als Krieger. Als Beamte, Politiker und Verwalter trugen sie Verantwortung für ganze Regionen. Sie mussten Teams führen, wirtschaftliche Strategien entwickeln und für das Wohl der Gemeinschaft sorgen. In Krisensituationen waren klare Entscheidungen gefragt – oft unter enormem Druck.

Das Schwerttraining war für sie nicht nur Kampfvorbereitung. Es war Schule für Führungsqualitäten, strategisches Denken und mentale Klarheit. Die Fähigkeit, in schwierigen Momenten ruhig zu bleiben und durchdacht zu handeln, konnte über Erfolg oder Misserfolg einer ganzen Region entscheiden.

Von der Kampftechnik zum Lebensweg

Ursprünglich stand im Bujutsu (武術 – den Kriegstechniken) der Sieg im Kampf im Mittelpunkt. Doch die Meister erkannten früh: Wahre Stärke kommt nicht aus Muskelkraft allein. Die mentalen Fähigkeiten sind mindestens genauso wichtig. Letztendlich geht es darum, das eigene Ego zu überwinden. In diesem Sinne kann selbst eine Niederlage zu einem Erfolg über dich selbst werden.

Durch die andauernde Übung und Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen wird Bujutsu (Technik des Kämpfens) zu Budo (武道 – Weg des Kämpfers). Aus der Kriegstechnik wird eine Methode der Persönlichkeitsentwicklung.

Kenjutsu heute

Heutzutage hat das Schwert seine Bedeutung als Waffe längst verloren. Die Prinzipien, die im Training entwickelt werden, haben jedoch nach wie vor ihre Gültigkeit.

Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, auch unter Druck präsent und fokussiert zu bleiben. Die Kata-Praxis (型 – festgelegte Bewegungsformen) schult Timing, Distanz und angemessenen Krafteinsatz – nicht als abstrakte Konzepte, sondern durch wiederholtes körperliches Erfahren. Die konzentrierte Bewegung mit dem Schwert verlangt vollständige Aufmerksamkeit; der Alltag tritt dabei in den Hintergrund.

Es geht nicht um schnelle Ergebnisse. Das Schwert ist ein langsames Lehrmedium – und das ist sein Wert.

Training für Körper und Geist

Im Mittelpunkt unseres Trainings steht die intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des eigenen Körpers und der Handhabung des Schwertes. Du beginnst mit Einzelübungen (Suburi 素振り), um ein Gefühl für das Holzschwert zu entwickeln. Mit der Zeit gewinnst du Sicherheit und Vertrauen im Umgang mit dem Bokken.

Dann kommen Partnerübungen hinzu. In den sogenannten Kata sind die Prinzipien und Strategien unserer Schule enthalten. Kata sind festgelegte Bewegungsabläufe, die du gemeinsam mit deinem:r Trainingspartner:in übst. Durch das kontinuierliche Üben entwickelt sich nach und nach ein Gefühl für den korrekten Abstand, das ideale Timing und den angemessenen Kraftaufwand.

Es geht darum, intuitiv anwenden zu können, was im Training geübt wird. Das braucht Zeit, Geduld und regelmäßige Praxis.

Kontinuierliche Auseinandersetzung mit sich selbst

Schon zu Zeiten der Samurai war das Üben der Kata eine Methode des risikoarmen Trainings. Statt sich in echten Kämpfen zu beweisen, konnten Schwertschüler:innen die Prinzipien in sicherer Umgebung verinnerlichen.

Die genau festgelegten Bewegungsabläufe der Kata sind alles andere als tote Formen. Ein stupides Wiederholen der auswendig gelernten Schritte und Schläge führt zu nichts. Die Kata muss jedes Mal von Neuem entdeckt und mit Leben gefüllt werden. Nur so können über die Jahre immer wieder neue Aspekte entdeckt werden.

Heutzutage fehlt das Regulativ des „echten“ Kampfes. Daher ist es umso wichtiger, sich der Kata mit ganzer Hingabe zu widmen und das eigene Können immer wieder zu hinterfragen. Die Kata wird zum Spiegel.

Kashima-no-Tachi (鹿島之太刀) – Schwertweg aus Kashima

Kenjutsu ist ein Sammelbegriff für alle japanischen Schwertkampfformen. Wörtlich bedeutet es „Schwert“ (Ken 剣) und „Technik“ (Jutsu 術). In den klassischen Kampfkunstschulen (Ryu 流 oder Ryuha 流派), deren Tradition oft mehrere hundert Jahre zurückreicht, gibt es keine sportlichen Wettkämpfe.

Im Gegensatz zum modernen Kendo (剣道) trainieren wir ohne Schutzrüstung. Wir üben mit dem Bokken (木剣 – Holzschwert), dem Fukuro-Shinai (袋竹刀 – Bambusschwert) oder dem Iaito (居合刀 – stumpfes Stahlschwert). Bei uns im Dojo am Gleisdreieck praktizieren wir das Kenjutsu der „Kashima no Tachi“ nach Meister Minoru Inaba vom Shiseikan (至誠館) Dojo in Tokyo. Wir sind Mitglied in der ISBA (International Shiseikan Budo Association).

Kihon (基本) – Grundlagentraining

Unser Grundlagentraining ist für Anfänger:innen und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet. Der Fokus liegt auf Suburi (Einzelübungen) und der ersten Serie (Kihon Tachi 基本太刀). Ziel ist es, die Handhabung des Schwertes zu schulen.

Erst wenn eine grundlegende Sicherheit im Umgang mit dem Holzschwert entwickelt ist, ist es möglich, die dynamischen Kata der weiteren vier Serien zu üben. Alles, was du brauchst, lernst du Schritt für Schritt im Training.

Kumi Tachi (組太刀) – Training mit Partner:in

Das Lehrsystem der „Kashima No Tachi“-Schule besteht aus fünf Serien mit insgesamt 40 Kata. Das Kata-Training eignet sich für alle, die bereits ein grundlegendes Vertrauen im Umgang mit dem Holzschwert erworben haben und die fünf Kata der ersten Serie sicher beherrschen.

Wir üben gemeinsam, unterstützen uns gegenseitig und lernen voneinander. Bei uns kann jede:r trainieren – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Vorkenntnissen.

Ura Tachi – Die zweite Serie

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