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Erfahrungen auf dem Zen-Weg

Was ist Zen?

Das chinesische Schriftzeichen für „Zen“ besteht aus zwei Teilen: „einfach“ und „zeigen“. Eine erste Annäherung an die Praxis ist also: „Einfachheit zeigen“. Es ist nicht mittels Denkens zu begreifen, da es sich nicht um eine Philosophie oder Ideologie handelt, sondern um Praxis – ohne irgendeinen Gedanken an Nutzen oder Erfolg. Einfachheit zeigen: sich auf ein Kissen oder Bänkchen setzen, den Atem zählen, dem Atem mit Achtsamkeit folgen oder alles einfach so lassen, wie es ist – das ist die Praxis des Zen.  Dem jeweiligen Tun nichts hinzufügen, auch keinen „Zen-Geist“, da es so etwas nicht gibt.

Der Anfang im Hosshinji

Vor 30 Jahren kam ich zum ersten Mal in Berührung mit Zen, bei einem Sesshin des angesehenen Meisters Harada Sekkei Roshi aus Japan. Ich meditierte munter weiter, auch auf Vipassana-Retreats, ohne das Gefühl zu haben, wirklich einen Anfang gemacht zu haben. en machte ich erst 10 Jahre später, als ich zum ersten Mal für eine Woche in dem japanischen Kloster Hosshinji war, in dem Harada Roshi seit mehr als 50 Jahren Abt und Zenmeister ist. Seitdem bin ich 10 Mal dort gewesen und habe am Leben der Nonnen und Mönche teilhaben dürfen, viel Zeit auf meinem Kissen verbracht, viel gearbeitet und morgens ab 5:00 Uhr Laub gefegt rund um das Kloster.

Das Zen vergessen

Am Ende unseres Klosteraufenthalts gab Harada Sekkei Roshi uns „Westlern“ immer mit auf den Weg, dass wir Zen komplett vergessen sollten. Nach unserer Rückkehr sollten wir uns ganz unserer jeweiligen Aufgabe widmen und völlig darin aufgehen. Zusätzlich empfahl er uns, an jedem Tag eine kleine Zeitspanne freizuhalten, möglichst immer zur selben Zeit, um uns dem Za zu widmen, je nach Möglichkeit zwischen 20 und 40 Minuten.

Es braucht keine Rituale.

Über viele Jahre bin ich immer wieder eingetaucht in das klösterliche Leben und habe die strikten Abläufe des Alltags geschätzt, wo alles zur Praxis wird, egal ob essen, arbeiten, sitzen, ruhen, reden oder das Sutrenrezitieren.  Gerade deshalb bin ich der Meinung, dass wir klösterliches Leben oder klösterliche Rituale nicht in unseren Alltag importieren sollten. Es ist bereits vorhanden in unserer Kultur und in den Gewohnheiten unserer ganz normalen Lebensumstände. Weder braucht es klösterliche Gewänder noch klösterliche Rituale, um Zen in unserer Umgebung und unserem Alltag zu praktizieren. Dennoch ist mir bewusst, dass es das ist, was viele Menschen anzieht: diese Exotik und das damit zusammenhängende Gefühl, etwas anderes zu tun.

Was braucht es?

Ein ruhiger Ort, an dem man ungestört sitzen kann, eine Sitzunterlage und ein Meditationskissen oder Bänkchen oder auch ein Stuhl reichen aus, um zu praktizieren.  Eine Gruppe von Gleichgesinnten, die denselben Weg gehen wollen, jemanden, der mit dem Weg vertraut ist und den man nach dem Dharma fragen kann, um nicht in eine völlig falsche Richtung einzuschlagen.

 

Bilder aus dem Zen-Koster Hoshinji in Obama, Japan