Nachdem ich mein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit den Schwerpunkten Tanz und Bewegungstheater abgeschlossen hatte, begann ich mit dem Aikido-Training. Bis zum 1. Dan (1984) trainierte ich bei Asai Sensei (heute 8. Dan). Er war Abgesandter des Aikikai Honbu Dojo in Deutschland und so war man hier quasi mit der Quelle des Aikido verbunden, seine Lehre war authentisch. Ich wurde in seinem Dojo mit Aikido vertraut und verdanke diesen Anfängen sehr viel.
Als ich nach Berlin zog wurde ich Schülerin von Gerhard Walter. Sein Dojo war damals innerhalb des Aikikai Deutschland sehr bekannt. Aus ganz Deutschland sammelten sich hier Menschen, die intensiv trainieren wollten. Viele von uns trainierten täglich, besuchten außerdem Lehrgänge hoher Aikido-Meister in ganz Europa und waren sehr engagiert. Das führte dazu, dass aus seinem Dojo sehr viele Aikido-Lehrer hervorgingen, so auch ich. Es war diese besondere Mischung aus Gerds Training, seinen vielen hoch motivierten und engagierten Schülern und der gemeinsame Besuch internationaler Lehrgänge, die diese Zeit so intensiv und besonders machte.
Nach 13 Jahren intensiven Trainings eröffnete ich mein erstes Dojo in Berlin-Wilmersdorf. Das Dojo lief sehr gut, ich stand auf eigenen Beinen und suchte dennoch nach Lehrern um weiterzugehen. Ich wollte mich nicht einrichten, mich nicht mit Erreichtem zufrieden geben, noch nicht zur „Expertin“ werden.
Von den Lehrgängen, die ich besucht hatte, hinterließ Yamaguchi Sensei den größten Eindruck bei mir, weiterhin besuchte ich seine Lehrgänge in Deutschland und trainierte während meines ersten Japanaufenthalts bei ihm. Diese Spur wollte ich auf jeden Fall weiter verfolgen. So führte mich mein Weg zu Christian Tissier, engster Schüler Yamaguchi Senseis in Europa. Ich kannte ihn bereits von vielen Lehrgängen bei Yamaguchi Sensei, aber ich kannte ihn natürlich noch nicht als Lehrer. Als ich 1992 für drei Monate in Paris war, (um bei Noro Sensei zu trainieren, der aber zwischendurch im Urlaub war), lernte ich ihn auch als Lehrer kennen. Es war eine Offenbarung für mich und alle Vorbehalte, die ich von anderen unbewusst übernommen hatte, fielen in sich zusammen. Ich verbrachte eine kurze, aber sehr intensive Zeit in seinem Dojo, er stellte mich seinen Hauptschülern vor und fortan „musste“ ich hauptsächlich mit ihnen trainieren. Als ich Paris wieder verließ, spürte ich, dass ich wieder einen Lehrer gefunden hatte. Seitdem besuche ich kontinuierlich seine Lehrgänge und lade ihn regelmäßig nach Berlin und zu einem einwöchigen Sommerlehrgang nach Deutschland ein. Christian Tissier verlieh mir 2006 den 5. Dan.
Heute habe ich oft das Gefühl auf seinen Lehrgängen, dass sich für mich eine Lücke schließt, zu dem was ich Jahre vorher bei Yamaguchi Sensei geübt habe, ohne es wirklich verdauen zu können.
Durch die Aikido-Praxis bleibe ich offen und in Bewegung. Ich übe nicht um meine Technik zu verbessern oder aus einem Gefühl des Defizits heraus. Die Praxis ist einfach der natürliche Ausdruck des Aikido, oder wie man im Zen sagt: Übung und Erleuchtung sind eins.