aikido ulrike serak

am Gleisdreieck, Berlin


AIKIDO ist traditionelles Budo und dennoch absolut zeitgemäß. Sein Grundprinzip ist, dass es keinen Gewinner geben kann, wenn ein Anderer Schaden nimmt. Man entwickelt seine Fähigkeiten nicht um Gegner zu besiegen, sondern um Angreifer und Verteidiger in Harmonie zu bringen. AIKIDO ist somit weniger ein Weg des Kampfes als vielmehr ein Weg den Kampf zu beenden.

Das ist ein hoher Anspruch, doch AIKIDO ist nur oberflächlich betrachtet eine Methode der Selbstverteidigung – in erster Linie ist es ein Mittel zu Selbst-Entdeckung, Selbst-Erfahrung und zu persönlichem Wachstum. Nur wenn wir uns selbst gut kennen, sind wir in der Lage, unsere physischen, mentalen und spirituellen Kräfte miteinander zu vereinen, uns mit dem Geist des AIKIDO zu verbinden.

Die Verwirklichung dieser AIKIDO-Prinzipien ist zugleich Weg und Ergebnis unseres Übens. Das bedeutet, dass wir AIKIDO nicht als Mittel zum Zweck betrachten, um ein in der Zukunft liegendes Ziel zu erreichen, sondern dass wir diese Prinzipien in jedem Moment unseres Übens zu verwirklichen suchen. Weg und Ergebnis dürfen also nicht als zeitlich getrennt voneinander verstanden werden. Im Zen sagt man: “Übung und Erleuchtung sind eins.” Das bedeutet, ich kann jederzeit und immer nur „jetzt“ im Ergebnis sein, die Übung ist kein Mittel um „besser“ zu werden als ich es jetzt gerade bin. Man könnte sich fragen, wozu denn Üben, wenn es nichts zu erreichen gibt?

Eben weil es so schwer ist, mit allen Sinnen im Jetzt zu verweilen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung:
Beim Ausführen einer einfachen AIKIDO-Bewegung spüre ich, dass meine Bewegung eckig, hart und überhaupt nicht harmonisch ist. Ich beobachte mich selbst und bin unzufrieden. Vielleicht zerre ich an meinem Partner herum oder er an mir, viel lieber würde ich mit jemand anderem üben.

Oft ist hier schon der Punkt erreicht, an dem manche aufgeben und glauben, AIKIDO sei nichts für sie. Hingegen ist dieser Konflikt eine gute Voraussetzung um mit der Übung zu beginnen. Denn womit ich gerade Bekanntschaft gemacht habe, ist die permanente Einmischung meines Ego, in Wirklichkeit das Einzige, was mich hindert, in Einklang mit meinem Partner und mit allen Sinnen im Jetzt zu sein.

Es ist uns sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen, allem unsere eigenen Gedanken und Vorstellungen hinzuzufügen. Der natürliche Zustand, der vor jedem Wissen ist, ist uns abhanden gekommen und etwas anderes, das wir für völlig natürlich halten, hat seinen Platz eingenommen. Wenn wir aber mit etwas Anderem beschäftigt sind, und sei es der geringste Gedanke, die kleinste Emotion, sind wir handlungsunfähig, bzw. unser Handeln ist nicht effektiv.

Durch Nichteinmischung entwickeln wir Präsenz, Klarheit, Intuition, Zentriertheit und Ruhe und in unseren besten Momenten können wir die Chance nutzen bevor sie sich uns bietet.